Es wird endlich leer und wir haben neue Besucher

Anfang September kommen Bea und Frank zu uns. Die Beiden sind ein bisschen enttäuscht von ihrem Hotel, leider war unsere Empfehlung in St. Pantaleo bereits voll. Wir gehen gemeinsam schwimmen, besuchen den Markt in Olbia und fahren in die Berge nach Tempio und Limbara zum Picknick. Frank möchte gern einmal Delfine in freier Wildbahn sehen und so geht es mit Beligou in die Bucht von Aranci. Wir ankern, gehen schwimmen und tatsächlich - in nächster Nähe zieht eine kleine Schule Delfine an uns vorbei. Es ist fast schon verlockend, zu den Fischen ins Wasser zu springen. Auch bei der Rückfahrt sehen wir Delfine und Flossen. Frank ist restlos begeistert. Natürlich kommen auch 2 dicke Fiorentina Steaks auf den Grill, jedes im Bereich von 1,2 - 1,4 kg. Die Zeit mit den beiden vergeht angenehm, aber ausgesprochen schnell. Nachdem die beiden weg sind, gehen wir wieder ein bisschen segeln und sind ziemlich knatschig, als wir feststellen, dass unsere Stegnachbarn wieder da sind. Die liegen mit ihrem 4,20 m breiten Schiff auf einem 3,80 m breiten Liegeplatz. Wir passen kaum rein und ich meckere ziemlich rum. Am Anfang des Jahres konnten alle Schiffe geschoben werden, aber jetzt sind alle Plätze belegt. Kümmert keinen, also muss ich mal wieder selbst das Hafenpersonal holen, damit alle Schiffe ein bisschen geschoben werden. Alle liegen nun ziemlich eng, aber immerhin passt es etwas. Auch unsere Stegnachbarn gegenüber sind genervt. Die beiden Italiener mit ihrem sehr schönen 50‘ Schiff werden von einem der vermeindlich reichen Eigner aus Österreich angequatscht und damit genervt, dass sie aus Bologna kommen und er Spaghetti Bolognese liebt. EIn kurzes Verdrehen der Augen, als der Österreicher weg ist, und dann die Erklärung zu uns: „Die Italiener kennen kein Spaghetti Bolognese. In Bologna gibt es lediglich Linguine alla Ragout als Spezialität, Spaghetti Bolognese haben die Touristen irgendwo erfunden.“ Aha, gut zu wissen ! Für die nächsten Tage i st ordentlich Mistral angesagt, mag für die Charterer ja passend sein, wir haben keine Lust auf Starkwind. Also buchen wir kurzerhand ein Agritourismo in der Nähe von Iglesias. Iglesias ist ein Stadt mit verhaltenem Charme an der Südwestküste, nach zwei Stunden Fahrzeit mit dem Wagen sind wir schon da. Das Agritourismo Il Paradiso ist außerhalb der Stadt gelegen, schön angelegt und besitzt einen großen Pool. Es ist Nachsaison Mitte September und nur wenige Gäste sind hier. Wir genießen den Pool sogar ganz allein. Wir fahren zu den großen Wanderdünen und wieder einmal sind wir richtig froh, dass wir unseren tiefgelegten Wagen in diesem Jahr gegen einen geländegängigen Wagen eingetauscht haben. Wir fahren durch Wasserläufe, auf Staub- und Schotterpisten bis zum Meer. Da gehen wir schwimmen bei hohen Wellen (es ist Mistral), aber das Wasser ist immer noch warm genug. Als wir im Agritourismo ankommen, sitzen viele Einheimische beim Mittagessen und wir sehen Schnecken nach sardischer Art. Super, morgen werden wir hier auch essen, freuen uns darauf. Aber leider werden wir enttäuscht, für die paar Hotelgäste gibt es nur den Standard. Aber der Preis ist auch recht niedrig und wir sind wieder etwas versöhnt. Und dann haben sich Billy und Dee angesagt, Freunde aus Irland. Da die Flüge aus Irland in Cagliari ankommen, planen die beiden eine Rundreise mit einigen wenigen Tagen bei uns. Am ersten Abend kommen die beiden ziemlich spät an und wir gehen natürlich essen. Leider merkt man bei den Restaurants und Pizzerien, dass das Jahr zu Ende geht und die Kellner nicht mehr so ganz Lust haben, die Gäste passend zu bedienen. Ist ein bisschen schade, Kellner in der Düsseldorfer Altstadt müssen schließlich 12 Monate arbeiten und können auch nicht mit schlechter Laune rum laufen, auch wenn sie dies bisweilen tun. Auch mit den beiden Iren fahren wir in die Berge und zeigen ihnen Nhuragen und das Innere der Insel. Wie fast alle unsere Besucher haben sich die Beiden Sardinien ganz anders vorgestellt. Wir stellen immer wieder fest, dass es gar nicht so einfach ist, Sardinien irgendwie schlüssig zu beschreiben. Zu unterschiedenlich sind die verschiedenen Bereiche und Landschaften. Wir essen im Agritourismo La Sasima (ich glaube wir sind nach allen Besuchern nun zum 5ten Mal hier.) und alle sind wieder begeistert. Man sitzt draußen im Garten und das Essen ist hausgemacht und super, auch der Service stimmt (hier ist man noch etwas interessiert). Die Saison ist vorbei, das Meer ist (endlich) leer. Und wir segeln für ein paar Tage ins Maddalena Archipel und ankern allein in traumhaften Buchten. Wie vorgesehen, haben wir natürlich ein Wochenpermit im Internet gekauft und werden auch tatsächlich kontrolliert, na endlich einmal. Wir paddeln mit dem SUP durch die Gegend, erkunden mit dem Beiboot die zerklüfteten Inseln und kleinen Buchen und Strände auf den Inseln und hängen die Hängematte auf, um in der Sonne zu genießen. Ich bemerke ein kleines Leck im Motorthermostat im Primärkreislauf. Naja, der ist ja nun auch fast 40 Jahre alt. Es ist tatsächlich möglich, solch alte Ersatzteile noch zu bekommen, aber es ist ja auch ein Mercedes Diesel ! Für alle Fälle baue ich aus Verschraubungsteilen vom Baumarkt ein Ersatzteil zusammen, dies ist zwar kein Thermostat und der Motor kommt nicht mehr ganz auf Betriebstemperatur, aber als Ersatzteil für alle Fälle gut geeignet und im Bedarfsfall schnell ausgetauscht. Das Wetter dieses Jahr ist recht stabil, warm und sonnig. Wir wissen schon kaum noch, was Regen ist. Die Sarden sind etwas knatschig, schließlich ist die Gallura bekannt für die vielen Pilze im Oktober. Aber - kein Regen, keine Pilze. Toll sind jedoch wie jedes Jahr die umliegenden Gewitter und Wetterleuchten. In einer Nacht im September sind wir besonders beeindruckt. Über Korsika entladen sich über Stunden Gewitter und wir sehen Blitze und Wetterleuchten mit einer unglaublichen Klarheit. Die Besonderheit - wir hören keinerlei Donnergrollen. Wir können uns nicht trennen und sitzen mitten in der Nacht lange im Cockpit und schauen uns dieses Schauspiel an.

Autuno in der Barbagia

Wie jedes Jahr öffnen die Sarden im Herbst ihre Bergstädte, es ist Autuno in der Barbagia. Auch letztes Jahr waren wir dabei, aber wir haben gelernt. Wie bei allen Festen geht es t ypischerweise erst ab spätem Abend richtig los. Also buchen wir ein B&B in den Bergen in Austis. Austis liegt fast vollkommen mittig in Sardinien in den Bergen und weitab jeglicher touristischer Aktivität. Wir fahren erst einmal nach Orani, einem Bergdorf, in dem wir auch im letzten Herbst waren. In der ganzen Stadt haben die Bewohner ihre Häuser geöffnet, backen, kochen, brutzeln und organisieren einen tollen Tag für alle Besucher. Nach ein paar Stunden fahren wir weiter nach Austis und als erstes in unser gebuchtes B&B. Das finden wir nach voriger Beschreibung am Ortsrand (so groß ist Austis nicht). Das Einchecken geht problemlos nach einigen APPs, die der Vermieter mit uns ausgetauscht hat. Vom Zimmer aus gehen wir in einen großen Garten, das Zimmer ist relativ neu ausgebaut. Alles ist hervorragend. Aber deswegen sind wir nicht gekommen. Wir gehen zügig in die Stadt. Austis ist ein sehr schönes Dorf mit landschaftlichen Auszeichnungen. Überall quirllt das Leben, die Häuser sind geöffnet und alle kochen, organisieren, zeigen, und sind mega stolz auf Tradition und sardisches Leben. Es gibt, wie in allen Dörfern im Autuno in der Barbagia, einen Plan der Stadt mit allen beteiligten Häusern. Wir fragen mal ein paar Sarden, wo man den Plan bekommt und schon haben wir deren Plan in der Hand. Also auf geht‘s. Eine alte Frau zeigt uns das Wohnhaus ihrer Grosseltern, knapp 30 m². „Dort war die Küche und da wurde geschlafen. Und wenn das Wetter im Winter ungünstig war, kamen auch noch die Tiere rein“, erzählt sie uns. Mir fällt es auf und ich frag mal: „Und wo war das Badezimmer?“ Sie lacht. „Gewaschen hat man sich hier, die Toilette für‘s kleine Geschäft war da und dort war die Tür zum Garten für das große Geschäft.“ Beeindruckend, aber das Leben heute ist schon … anders. In gleicher Weise erleben wir viele offene Häuser und Landleben - hier wird Brot gebacken, Schnaps gebrannt, Torone gemischt (eine Art sardischer Nougat). Selbst Cocktails werden per Hand gemischt in einem Rührbehälter aus Kupfer im Eis-Salz Bad. Mit lokaler Minze genial lecker. In einer Gasse bekommen wir frisch gemachten Ziegenkäse und wir sind beeindruckt von den Geschichten. Der Enkel erzählt uns von dem Leben seines Grossvaters, der drahtig daneben steht. Er erzählt uns vom früheren Leben, wie der „Alte“ im Frühjahr einige hundert Kilometer in die Berge gewandert ist, die Ziegen und Schafe getrieben hat und vom selbstgemachten Käse, Fleisch, Brot und Wild gelebt hat und erst im Herbst wieder zurückgekommen ist. Auch eine aus Ästen und Steinen gebaute Hütte wurde hier aufgebaut, um zu zeigen, wie man in den Bergen gelebt hat. Die Hütte macht einen recht soliden und geschützten Eindruck. Da wir heute hier übernachten, wollen wir natürlich auch etwas essen. So viele Restaurants gibts hier nicht und die Touristenpizzeria am Stadtrand ist nicht ganz unser Ding. Also schauen wir einmal im Restaurant in der Stadtmitte nach - und haben keine Ahnung, was da auf der Speisekarte (sind nur 2 Menü‘s) im Aushang steht. Wenig später sehen wir die Speisekarte auch am Informationsstand und fragen eine junge Frau an der Info, was das auf Italienisch ist. Sie schaut etwas verdutzt und sagt uns, dass sie auch nicht alles auf Sardisch versteht. Ok, zum ersten Mal kommen wir so richtig mit den Sardisch in den Bergen in Kontakt. Egal - wir reservieren einen Tisch. Überall in der Gassen führen die Sarden (auch sehr viele junge Leute) die typische Tänze und Gebräuche auf. Wir verweilen auf einem Platz in der Dorfmitte mit vielen alten und jungen Sarden und kommen, wie immer, mit den Sarden ins Gespräch. Der lokale Moralesmaler (er bemalt die Wände in vielen Städten mit tollen 3-dimensionalen Morales) erzählt uns viel vom Leben in den Bergen und wir sind vollkommen überrascht, als wir erfahren, daß er in seinem ganzen Leben noch nie am Meer war - und das auf einer Insel. Von allen uns umgebenden Sarden, ob jung ob alt, werden ständig unsere Gläser gefüllt und wir werden immer wieder daran gehindert, gleiches zu tun. Obwohl wir auch gern ausgeben wollen, werden wir einfach daran gehindert. Welche Gastfreundschaft ! In den Gassen bemerken wir immer wieder lautes Geschrei der jungen Männer in einer Art Spiel, es hat den Eindruck eines handfesten Streits, ist aber ein Spiel. Wir fragen den Moralesmaler, was das ist. Ruckzuck trommelt er eine Menge junge Männer zusammen, erklärt uns das Spiel, das Murro heisst. So wie wir es verstehen, wird die Zahl der Finger, die 2 Spieler gleichzeitig zeigen vorher gesagt und rundenweise geht es weiter. Aus irgendeinem Grund schreien sich die Spieler dabei an und sind am Abend so heiser, daß sie kaum reden können. Ganz allgemein fällt uns auf, daß alle, ob Jung oder Alt miteinander reden, palavern und sich regelrecht anschreien. Es ist fast kein Handy zu sehen und Selfies scheinen hier wohl keine Rolle zu spielen - alle reden miteinander. Und dann passiert mir der Fehler überhaupt. Alle trinken Bier und Grappa und Mirto und ich frage mal nach, ob es ein Mindestalter für Alkohol in Italien gibt. „Wir sind hier in Sardinien und NICHT in Italien !“, bekomme ich mit passendem Tonfall zu hören. Ok, danach geht fröhlich mit uns weiter, schließlich sind wir Touristen. Und dann gehen w ir essen. Allgemein wird es ruhig in der Stadt, auch alle anderen gehen nach Hause zum Essen. Wir hätten uns eigentlich gar keine Gedanken um die Speisekarte machen müssen. Das Lokal wird von einem alten Ehepaar geführt und als wir ankommen, hören wir: „Die Vorspeise ist leider aus und das Hauptgericht auch, aber wir haben Ravioli und Rindfleisch und Käse. Ist das auch ok?“ Ok, warum nicht. Die beiden Alten bedienen uns zusammen mit ihrem Enkelkind und servieren alles Gesagte. Es ist alles hausgemacht und lecker, bis auf den 9 Monate alten, gereiften, schimmeligen Käse - der ist schon sehr streng und sehr würzig. Aber wir lassen nichts liegen, die haben schließlich alles mit Liebe gemacht und uns die Herstellung stolz beschrieben. Nicht der Kracher als Essen, aber sehr authentisch. Nun gut, das Fest ist nicht zu Ende - wir gehen zu Piazza. Ein paar Leute und ein paar Instrumente sind da und wir fragen mal nach. „Klar geht es hier weiter, in anderthalb Stunden.“ Au weia, so sardisch sind wir dann doch noch nicht. Wir gehen in unser B&B und schlafen in tiefer Stille des Waldes bis gegen 01:00 Uhr oder so unsere Zimmernachbarn lautstark von der Party kommen. Am nächsten Morgen einen Café in der Stadt, die vollkommen aufgräumt ist. 2 Wochen später fahren wir am Samstag zum Autuno nach Lolove. Lolove ist eine fast verlassene Stadt in den Bergen. Da dort keinerlei Parkplätze existieren, ist ein spezieller Bringdienst organisiert. Man parkt einfach irgendwo unten an der Strasse und regelmäßige Kleinbusse bringen die Besucher in 10minütiger Fahrt durch gewundene Strassen zum Dorf. Neben den wenigen bewohnten Häusern wird auch hier das Leben vor Jahrzehnten gezeigt. Einige Häuser sind mit den alten Möbeln, Bildern und Utensilien ausgestattet und man kann sich leicht in das Leben vor langer Zeit zurück versetzten, auch wenn die Härte dieses Lebens nicht zu erahnen ist. Ansonsten wird überall gekocht, gemischt und künstlerisch gestaltet. Jetzt bekomme ich auch endlich die sardischen Schnecken. Ziemlich große Schnecken in einer würzigen Tomatensauce. Die gesamte Schnecke ist mir zu bitter, also schneide ich nur den Fussteil ab. Im Gegensatz zu den Schnecken in Frankreich sind die hiesigen noch komplett mir Kopf und Fühlern (die eigenlich die Augen sind). So sollte man nicht so sehr auf die Optik fixiert sein. Na gut - für mich ganz lecker aber wie Cordula und Trippa kommen die Schnecken in die Liste für „hatte ich schon, muss nicht noch mal.“ Lolove ist mit seinen Gässchen und groben Wackersteinwegen, den Quitten- und Zitronenbäumen und schönen Gärten ein wunderschönes Dorf. In einem der Häuser genießen wir selbstgemachten Limoncello. Da wir inzwischen auch unseren Limocello selber machen, fragen wir die ältere Einheimische, die den Limocello gemacht hat nach dem Rezept. Das ist auch nicht anders als unser eigenes. Besonders der Umstand, dass in den sonst leer stehenden Häusers die Einheimischen kochen und Kunsthandwerk ausstellen, ist schon echt toll. Letztes Jahr waren wir auch hier, aber am Sonntag. Wir können den Samstag nur empfehlen, sind doch wesentlich weniger Besucher unterwegs und man kann alle Stände locker besuchen und hat passend Platz. Wir hören auch, dass die Besucher aus ganz Sardinien kommen, von Cagliari bis Alghero. Und dann geht im Oktober auch für uns die Saison zu Ende. Wir segeln einige Tage in die Bucht von Aranci. Wir glauben, dass wir zum ersten Mal überhaupt hier mit nur 2 anderen Schiffen liegen, lustigerweise sind die beiden anderen auch 2-Master. Delfine sehen wir zwar nicht, aber ich fange immerhin ein paar Fische, leider reissen die sich ab, bevor ich sie an Bord bekomme. Lustig sind auch kleine Degenfische (keine Ahnung, ob die so heißen, aber sie erinnern an die Degenfische von Madeira, nur viel kleiner), sie springen immer wieder über das Seil des Beiboots und tauchen rückwärts darunter weg, keine Ahnung, warum die eine solche Circusnummer abziehen. Das Wetter wird, wie erwartet im Oktober, wechselhaft. Also suchen wir uns einen wunderschönen Segeltag heraus, um das finale Absegeln zu machen. Absegeln muss bei uns immer schön sein, genauso wie Ansegeln. So ist das Jahr perfekt. Also wählen wir einen Tag mit langsam drehendem Wind und segeln die Bucht vor Portisco und Porto Cervo ab, zunächst mit allen drei Segeln bei 5-10 kn Wind und später mit kleineren Segeln bei bis zu 20 kn. Ein toller Absegeltag und leider ist das Segeljahr damit vorbei. Aber irgendwie haben sich unsere Prioritäten dieses Jahr verschoben mit der Entscheidung hier zu bleiben. Wir haben dieses Jahr mehr eine Mischung aus schönem Segeln und schönem Erkunden von Sardinien gemacht. Wie auch mit anderen Segler schon besprochen: „Wenn man die Zeit hat, kann man dann segeln, wenn es schön ist und nicht wenn man muss.“

Jahresabschluss

Letztes Jahr haben wir zu meinem Geburtstag eine Rundreise um Sardinien gemacht. Dieses Jahr entscheiden wir uns für ein paar Tage Cagliari. WIr hatten eigentlich überlegt, ob wir mit dem Zug einmal quer durch Sardinien fahren (die Fahrzeit ist nur etwas länger als mit dem Auto), aber endgültig entscheiden wir uns doch für das Auto. In Capras holen wir noch etwas Wein im Weingut - man muss inzwischen genau schauen, ob überhaupt noch geöffnet ist um diese Jahreszeit. In Cagliari haben wir ein tolles Guesthaus mitten in der Altstadt im Hafenbereich gebucht und wir werden von den Bildern in der Buchung nicht enttäuscht. Im Gegenteil - das Guesthaus ist recht neu und sehr stylisch eingerichtet. Der Eingangsbereich überzeugt durch viel Platz, tolle Möbel und eine Riesenküche. Die Zimmer (es gibt nur 3) sind ebenso liebevoll, wie stylisch eingerichtet, alle Getränke sind (ohne Begrenzung) im Preis inbegriffen und das Duschzeug besteht hier nicht aus kleinen Proben, sondern handelsüblichen Tuben von Aqua di Parma. Leider keine Frühstück aber ein Reduktionsgutschein für ein angrenzendes Cafe. Wir schlendern durch das Hafenviertel der Altstadt, diesmal bei sonnig-warmen Wetter (letztes Jahr hatten wir Regen und Kälte). Wir gehen essen und genießen am nächsten Morgen das Flair der Markthalle. In einer Seitenstrasse finden wir durch Zufall einen deutschen Metzger, der schon seit Jahren auf Sardinien lebt und tatsächlich Wurst nach deutscher Vorlage herstellt. So gibt es nun eine Woche lang zum Frühstück Bierwurst, Pistazienwurst und so weiter. Petra kauf t auch Kassler und Mettenden und bereitet 2 Tage später auf Beligou einen leckeren Eintopf zu. Tolle Tage in Cagliari bei Superwetter. Eigentlich wollten wir auf dem Rückweg noch in einem Bergdorf vorbei um den Autuno dort zu erleben, aber wir sind zu tot und fahren direkt zu Beligou. Wichtig ist nun auch, dass wir schnell Mitbringsel und Bestellungen für Deutschland einkaufen. Die Supermärkte, Bauernmärkte und kleinen Vertreiber machen ihr Läden dicht und die Sache ist erledigt. Wir fahren zum Bauernladen, um für uns und die Familie Olivenöl einzukaufen. Tja, wir bekommen gerade noch die letzten 3 Liter. Also - ein bisschen planen und wir bekommen hoffentlich noch alles. Und auch Beligou braucht die übliche Herbstpflege. Im Gegensatz zu Holland haben wir hier den Vorteil, dass das Wetter meist super ist und die Arbeiten fast jederzeit machbar sind. So wird der Impeller der Wasserpumpe und das Motoröl gewechselt, die Ruderwelle abgeschmiert, Dieselfilter gewechselt usw. An Deck und am Rumpf werden Rostflecken entfernt, ggf. gespachtelt und gestrichen. In diesem Winter haben wir nur einen Nachbarn, also können wir uns zum Nachbarplatz ausdehnen, passende Festmacher verdoppeln und 2 Mooringleinen legen. In einigen leichten Mistralwetterlagen können wir so die Leinen und die Lage auch passend testen. In solchen Fällen bin ich immer ziemlich glücklich, ein solides Stahlschiff zu haben. Letztes Jahr ist nicht viel passiert, außer, dass die Hafenmole zerstört wurde. Erst später bekommen wir mit, dass einige Schiffe gegen die Betonkaimauer geschlagen sind und strukturelle Schäden hatten. Wir sind nicht dagegen geschlagen, aber mehr als eine Beule hätten wir wohl auch nicht abbekommen. Außerdem stellen wir in den Diskussionen immer wieder fest, dass Stahlschiffe auch andere Vorteile haben, nämlich Korrosion (so seltsam dies klingen mag). Klar muss man immer darauf achten, ob irgendwo Rost auftritt und dies sofort bekämpfen. Allerdings hören wir auch immer wieder von Kunststoffschiffen von korrodierten Ventilen, undichten Warmwassertanks oder anderen Metallkorrosionen. Nun ja, bei uns ist alles elektrisch miteinander verbunden und auf gleichem Potential. Also müssen wir uns hauptsächlich Sorgen um die Opferanoden machen. Bei elektrischer Isolierung durch Kunststoff kann es halt vorkommen, dass nicht alle Metallteile und insbesondere Ventile und durch Schläuche verbundene Geräte auf anderem Potential stehen und vielleicht schneller korrodieren. Wir hab en viele Ventile und z.B. den Heißwasserboiler seit 20 Jahren ohne Probleme und Korrosion eingebaut.
BELIGOU
Vielleicht an dieser Stelle auch mal ein paar Gedanken zur Umwelt, auch wenn wir es langsam nicht mehr hören können. Sardinien und das Mittelmeer und auch die Strecken der letzten Jahre sind einfach nur landschaftlich einmalig und nach unserer Meinung sehr schützenswert. Dennoch, immer wenn wir auf den Strassen und Autobahnen entlang fahren, sieht man an allen Parkplätzen Müllberge, die natürlich bei Wind durch die Gegend getragen werden. In unserem Hafen wurde in diesem Jahr ein Müllsammler im Wasser installiert, ein Gerät, das im Wasser immer wieder auf und ab geht und dabei schwimmenden Unrat in einem Netz sammelt. Eigentlich toll - nur bei vollem Hafen sind die Mülltonnen schnell überfüllt und der Müll stapelt sich daneben. Obwohl per Wetterbericht bekannt ist, dass Wind kommt, wird der Müll nicht abgeholt und landet dann in Masse im Hafenbecken und natürlich auch im Meer. Auffällig auch das Verhalten der Fische. Im Frühjahr wenn wir kommen ist das Wasser im Meer und im Hafenbecken sehr klar und voll von Fischen. Im Sommer ist alles trüb und fast leblos. Ab Oktober wird das Wasser wieder klar und die Fische kommen zurück. Nun, wir können uns nur bemühen, selbst die Umwelt sauber zu halten und darauf zu hoffen, dass sich das Verständnis für eine saubere Umwelt immer weiter verbreitet. Schließlich sollte man diese tolle Erde doch erhalten, egal ob im Mittelmeer oder sonst wo. Ende Oktober nehmen wir dann wieder die Fähre, natürlich Grimaldi. Die Fähre ist sauber und die Kabinen gross und ruhig. Leider geht es mit 2 Stunden Verspätung los, weil die Fähre durch Südsturm sehr spät ankommt. Und dann in Alba treffen wir Helga und Horst zur Trüffelsuche. Im Laufe des Jahres haben wir eine Trüffelsuche nur mit uns 4, Stelvio und den beiden Hunden vereinbart. Zur Übernachtung haben wir dann gemeinsam den gesamten Bauernhof von Stelvio gemietet, wo wir abends mit ihm in mehreren selbstgekochten Gängen schwelgen, natürlich mit reichlich weißen Trüffeln. Während der Suche nach den Trüffeln in den Wäldern erfahren wir viel Neues über die Eigenart der Pilze und die Ausbeute am Ende des Tages kann sich auch sehen lassen. Nach weiteren Tagen im Piemont auf Weingütern, Trüffelmesse und tollem Essen geht es dann wieder nach Deutschland, dieses Jahr sonnig. Ein tolles Jahr, auch wenn unser Log nur verhältnismäßig wenige hundert Meilen abtickt, aber wir haben Sardinien und die Sarden gut kennen gelernt.
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